ERWIN KIRSCH DESIGN FOR BETTER COMMUNICATION

An der Höhe 34
B - 4780 ST.VITH

Tel.: +32 (0)80 22 70 78

info@erwin-kirsch.be
Info-Anfrage

 

"Eine Zeit, in der wir beide politisch wie menschlich sehr eng zusammengerückt sind."

Karl-Heinz Cornely, Erster Schöffe und stellv. Bürgermeister im Namen des Kollegiums

Sehr verehrte Damen und Herren! Geschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Werte Gäste! Und vor allem: Lieber Joseph!

Bei seiner Veröffentlichung im Jahre 1995 stürmte das Album „Abenteuerland“ der Gruppe PUR sogleich auf Platz eins der deutschen Charts. Ein Song, der - zumindest vom Titel her - in jener Zeit auch für mich nicht ohne Bedeutung  war.
Weniger musikalisch als vielmehr politisch... Denn genau im selben Jahr machte ich meine ersten Schritte im Gemeinderat Burg-Reuland.

Für mich - rein politisch gesehen - auch eine Art „Abenteuerland“, da vor allem völliges Neuland. Und wie heißt es so treffend im PUR-Song... „Der Eintritt kostet den Verstand... „Tu’s auf deine Weise, deine Phantasie schenkt dir ein Land - das Abenteuerland.“

In der Tat war es eine Art Abenteuer, in das ich mich damals stürzte. Oder treffender: in das ich buchstäblich hinein stolperte... Immerhin war ich im Januar 1995 mit knapp dreißig Jahren der erklärte „Benjamin“ auf der Liste „GemeindeInteressen“, die sich unter dem alten und neuen Bürgermeister Peter Stellmann wenige Monate zuvor mit zehn von dreizehn Sitzen eine solide Mehrheit im neuen Rat sichern konnte.

Mit Ehrfurcht blickte ich - als „Jungspund“ - vor allem zu einem auf, der mit seinen gerade mal fünfundvierzig Jahren bereits auf einen beachtlichen politischen Parcours in Brüssel, Eupen und Thommen verweisen konnte...

Joseph Maraite.

Zunächst Mitglied im RdK, dem Rat der deutschsprachigen Kulturgemeinschaft. Dann zusätzlich Schöffe in Burg-Reuland.
Wenig später, Anfang 1984, Minister in der ersten Exekutive in Eupen, gefolgt nur zwei Jahre später vom Aufstieg zum Ministerpräsident. Ein Amt, das bis 1991 noch mit einem Schöffenmandat in seiner Gemeinde vereinbar war.

Ehe bei uns in Burg-Reuland Nikki Dhur, der Vater unserer heutigen Bürgermeisterin, dieses Amt von Joseph Maraite übernahm. Heute nun, zweiundzwanzig Jahre später, sind von den Ratsmitgliedern, die damals - am 2. Januar 1995 - ihren Eid ablegten, einzig noch Joseph Maraite und meine Wenigkeit im Gemeinderat vertreten. Und seit Juli 2003 saßen wir gemeinsam im Kollegium, aus dem Joseph Maraite nunmehr aus freien Stücken ausschied. Eine schöne Zeit, eine bewegte Zeit, in der ich zwischenzeitlich gar zum Stellvertreter des Bürgermeisters aufstieg. Und das nicht nur auf dem Papier...

Nein, Joseph Maraite war zu allen Zeiten Ebenfalls ein „Meister im Delegieren“.
Er ließ uns, seinen Mitarbeitern im Kollegium, vielfach freie Hand und animierte uns sogar zum unabhängigen Denken und Handeln. Ohne dass er selbst sich deshalb aber aus der Verantwortung gemogelt hätte. Stattdessen stand er uns jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite, verschloss sich auch nicht anderen Ansichten als seinen.

Ganz im Gegenteil! Joseph Maraite zeigte sich in vielen Akten - gerade mit einer stark örtlichen Prägung - offen und sensibel für einen neuen Blickwinkel auf Dinge, die ihm bis dahin so nicht bekannt waren. Zudem war es nicht so, dass er sich bei der Verwaltung und Gestaltung der Politik nur die Rosinen aus dem Kuchen gepickt hätte.

Selbst auf der überregionalen Bühne ließ er uns in den letzten Jahren verstärkt und gezielt den Vortritt - durchaus auch bei interessanten und angenehmen Anlässen. Erlebnisse und Erfahrungen, die ich nicht hätte missen wollen und die mir manche belebende Momente beschert haben.

Insgesamt eine Zeit, in der wir beide politisch wie menschlich sehr eng zusammengerückt sind - selbst wenn wir, bei immerhin rund eineinhalb Jahrzehnten Altersunterschied - im Grunde zwei Generationen angehören. Weshalb es mich auch persönlich freut, dass Joseph Maraite uns zumindest noch für einige Zeit als so genannter „Beauftragter“ erhalten bleibt.

Übrigens eine Funktion, die er selbst quasi geschaffen hat, indem er nach den letzten Wahlen mehrere Ratsmitglieder außerhalb des Kollegiums mit besonderen Aufgaben beauftragte. Um sie auf diese Weise an spätere Herausforderungen heranzuführen. Ohne Zweifel eine schlüssige und lobenswerte Art, den politischen Generationswechsel vorzubereiten. Eine Aufgabe, für die ihm nun sogar ein eigenes Büro im Rathaus zugeteilt wurde.

Zwar sichtbar kleiner als sein bisheriges „Domizil“, aber dennoch weiterhin  im „Zentrum der Macht“, wo er aus Sicht des Kollegiums zu jeder Zeit ein gern gesehener „Zuarbeiter“ ist. Zumindest so lange ihm der Sinn danach steht... Auf seinem neuen Schreibtisch finden sich durchaus noch einige „dicke“ Dossiers, die ihm seit jeher persönlich am Herzen liegen und die er noch gerne zu einem erfolgreichen Ende für unsere Gemeinde bringen würde.

Mit umgezogen auf seinen neuen Schreibtisch ist vor allem aber auch sein unerschöpflicher Fundus an Visitenkarten. In vielen kniffligen Fällen oft der ultimative Schlüssel zu einem kaum noch erhofften politischen Durchbruch.
Und dies keineswegs ausschließlich im Interesse unserer eigenen Gemeinde.

Nein, Joseph Maraite hatte auch stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Nachbarn. Und zwar völlig unabhängig von der „Couleur“ des Bittstellers, der ihm seine Sorgen vortrug. Wenn ihm das Anliegen sinnvoll erschien, kramte er für einige Sekunden in seinem Stapel Visitenkarten herum... - bis er den passenden Ansprechpartner entdeckte, bei dem er vorstellig werden konnte. Zunächst einmal telefonisch, nachfolgend aber nicht selten auch persönlich - vielfach bei einem Besuch in Eupen, Lüttich, Namur oder Brüssel. Dann reihte er sich spontan und gerne ein in die Gruppe der „Vierzehn Nothelfer“.

Sein über Jahre durch unzählige persönliche Kontakte aufgebautes Netzwerk war scheinbar unbegrenzt... und vor allem auch unbezahlbar. Und von diesen engen, durchweg  freundschaftlichen Kontakten hatte und hat Joseph Maraite nicht wenige!

Ja, unser Bürgermeister fungierte oft und gerne als „Briefträger“ für andere, die nicht über ähnlich gute „connections“ verfügten. Frei nach der Devise: „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“

Jedoch - und das darf und soll hier ganz bewusst angemerkt werden - haben es ihm manche kaum oder gar nicht gedankt, sondern sein Engagement höheren Orts einfach als selbstverständlich erachtet.

Damit nicht genug... Mitunter haben sie die dank Joseph Maraite erzielten Ergebnisse gar als ihren eigenen Erfolg „verkauft“. Schade!!! Auch ihn selbst hat solche Undankbarkeit durchaus betroffen gemacht, ihn aber nie in seinem Einsatz „für Jott un Pott“ entmutigt.

Nein, bei Joseph Maraite stand stets die Tür offen - gerade auch für den so genannten kleinen Mann. Er machte nie gesellschaftliche Unterschiede. Ganz gleich ob Ingenieur oder Handwerker, ob Arzt oder Landwirt, ob Architekt oder Arbeiter,   ob Direktorin oder Sekretärin - er suchte und fand ganz persönlichen Zugang zu jedem und zu jeder.

Abschied nehmen wir heute aber auch von  einem absoluten Politprofi, der seinen Abgang genau geplant und getimt hat. Und wie gewohnt bis zum Schluss nichts dem Zufall überlassen hat. Zudem ein Politiker, der durchaus wusste, dass Klappern zum Handwerk gehört...

Und da hat er es zweifellos geschafft, unsere kleine, bescheidene Gemeinde manches Mal ins Schaufenster zu stellen.

Lang und prominent ist die Liste jener illustren Gäste, die auf seine Einladung und auf seinen Antrieb hin in den letzten Jahrzehnten seiner - und somit auch unserer - Gemeinde gerne und oft einen Besuch abgestattet haben.
Und Joseph Maraite erwies sich stets als perfekter, da herzlicher Gastgeber, der Burg-Reuland auf der nationalen und internationalen  Landkarte  prominent zu platzieren wusste - geschichtlich wie landschaftlich, kulturell wie touristisch.

Jedenfalls werden seine unermüdlichen Verdienste um die Belange unserer Gemeinde und der Menschen hier vor Ort lange und dauerhaft fortwirken. Auch da sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger von ihm irgendwie an die Hand genommen fühlten. Und vor allem eines wussten: Da ist einer, der kümmert sich.

Vor diesem Hintergrund möchte ich ein legendäres Zitat von John F. Kennedy sprachlich ein wenig abwandeln. Für Joseph Maraite galt in all den Jahren auf kommunaler Ebene immer der Grundsatz: „FRAGE NICHT, WAS DEINE GEMEINDE FÜR DICH TUN KANN. FRAGE, WAS DU FÜR DEINE GEMEINDE TUN KANNST.“

Gerade vor dem Hintergrund der Zuletzt aufgedeckten Skandale mit Sicherheit ein Leitgedanke, der gerade die nachrückende Generation in ihrem Bewusstsein und in ihrem Engagement für das Allgemeinwohl inspirieren möge.

Im Namen des Kollegiums und des Rates, aber vor allem namens der gesamten Bevölkerung sage ich Dir aufrichtig Dankeschön für Deinen nimmermüden Einsatz für Deine und unsere Mitmenschen in Deiner und unserer Gemeinde.

Ein Engagement, das auch Sie, werte Gäste, mit einem langen, dankbaren und anerkennenden Applaus honorieren dürften.

Ich danke Ihnen!


<< zurück