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"Und dass ich selbst einen Teil dieses Weges mitgehen konnte, macht mich froh und auch ein bisschen stolz."

Ehrenschöffe Nikki Dhur, eine Würdigung beim Neujahrsempfangs2017 der CSP (im Bild rechts, daneben Joseph Maraite, Pascal Arimont/Vorsitzender und Marion Dhur/neue Bürgermeisterin)

Sehr verehrte Damen und Herren! Geschätzte Freunde! Werte Gäste! Und vor allem: Lieber Joseph!


Wer wie ich knapp ein Vierteljahrhundert lang im Gemeinderat Burg-Reuland Seite an Seite mit Joseph Maraite gesessen hat, weiß zweifellos einiges zu erzählen. Er weiß aber auch zu schweigen...

Denn wie sagte bereits der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire: „ALLES, WAS DU SAGST, SOLLTE WAHR SEIN. ABER  NICHT  ALLES, WAS  WAHR  IST, SOLLTEST DU AUCH  SAGEN.“

Dennoch bleiben hier und heute für meine Würdigung eines engagierten Menschen in Diensten unserer Gemeinde ausreichend Erinnerungen und Erfahrungen aus einer ebenso bewegten wie bewegenden Zeit, die vor allem geprägt war vom engen Schulterschluss unter zwei politischen Menschen und Mandataren, die im Laufe der gemeinsamen Zeit zu Freunden wurden.

Joseph Maraite...
Wo kann, wo soll ein Redner da bloß ansetzen? Wo kann, wo soll er die erste Marke an einem langen, beispiellosen Weg einschlagen? Zumal es bei Joseph Maraite irgendwie den Anschein, hat, als wäre er schon immer da gewesen - quasi seit und für ewige Zeiten... In der Tat sind es mittlerweile genau vierzig Jahre, dass er sein erstes politisches Mandat „eroberte“.

Ein Sitz im vormaligen RdK, dem Rat der deutschen Kulturgemeinschaft, wo er bei den Wahlen am
17. April 1977 eher unerwartet beeindruckende 394 Vorzugsstimmen auf sich vereinen konnte. Gleichbedeutend mit Rang sechs auf der von Albert Gehlen angeführten Liste. Für einen jungen Lehrer von gerade siebenundzwanzig Jahren - und bis dahin meist außerhalb Ostbelgiens tätig - ohne Zweifel weit mehr als nur ein Achtungserfolg.

Und das als Vertreter der kleinsten Gemeinde in Ostbelgien - in der er selbst aber kaum jemand kannte.
Den rein lokalen Rahmen hat er jedenfalls schon früh gesprengt!

Und dass sein Weg zur CSP führte, war ebenfalls vorgezeichnet. Immerhin stammte er aus einer Gemeinde, in der - rein politisch gesehen - die Farbe Schwarz klar dominierte. Für andere blieben meist nur ein paar Farbtupfer übrig!

Mit seinen 394 Stimmen zum RdK legte Joseph Maraite den Grundstein zu einer einmaligen politischen Karriere, die vor genau drei Tagen, nur wenige Kilometer entfernt, im Kulturhaus in Burg-Reuland, ihren selbst bestimmten Schlusspunkt erlebte.
Zumindest in einer offiziellen Funktion!
In seiner eigenen Gemeinde bewarb sich Joseph Maraite bereits sechs Monate zuvor, im Herbst 1976, bei den Wahlen im Zuge der Fusionen, um einen von nunmehr dreizehn Plätzen im neuen, größeren Gemeinderat.
Er kandidierte auf einer dritten, wenngleich nicht ganz kompletten Liste unter Führung von Christian Calles.

Jedoch fehlten ihm letztlich zehn Stimmen und er musste zwei Kollegen den Vortritt lassen - die mit ihrer Stimme René Greven zum ersten Bürgermeister der Großgemeinde machten. Aber wie heißt es so treffend... Aller Anfang ist schwer. Doch bereits beim zweiten Anlauf, sechs Jahre später, winkte sogleich ein Schöffenmandat: Gemeinsam mit seinen engen politischen Freunden Peter Stellmann und Johann Gennen „diente“ Joseph Maraite im Kollegium unter Bürgermeister René Greven.

Die nächste Beförderung stand nur dreizehn Monate später ins Haus. Im Zuge der Einsetzung der ersten Exekutive  der  Deutschsprachigen  Gemeinschaft im Januar 1984 stieg Joseph Maraite zum Minister auf, gefolgt 1986 vom Amt des Ministerpräsidenten. Ein Amt, das in jener Zeit übrigens noch mit der Funktion als Schöffe vereinbar war - zumindest für die nachfolgenden sieben Jahre, also bis 1991.

Und es war in jener Zeit, im Sommer 1988, als eines Abends zwei Herren vor unserer Tür in Steffeshausen standen und um mich als Kandidat für die Liste „Gemeindeinteressen“ bei den Wahlen im Herbst jenen Jahres warben.
Es waren Peter Stellmann und Joseph Maraite, die dank des klaren Erfolgs in der folgenden Legislatur die Funktion des Bürgermeisters und des Ersten Schöffen bekleideten.
Ich selbst dagegen wurde aufgrund meines Ergebnisses sogleich zum Präsidenten des Sozialhilfezentrums  vorgeschlagen.

Zwei Jahre später wurde ich dann ins Kollegium berufen - als Nachfolger von Joseph Maraite, der wegen der nun in Kraft tretenden Unvereinbarkeit sein Schöffenmandat niederlegen musste und sich unter die „einfachen“ Ratsmitglieder einordnete. Wenngleich... „Einfaches“ Ratsmitglied war Joseph Maraite eigentlich nie. Auch ohne offizielles Mandat im Kollegium stellte er über all die Jahre als Ministerpräsident wichtige Weichen auch  für  die Gemeinde. Zum Schaden von Burg-Reuland sollte das hohe     Amt in Eupen jedenfalls nicht sein. Warum  auch?!

Wir haben in Thommen oft und gerne den Nutzen aus dem engen und weitläufigen Netzwerk gezogen, das sich Joseph Maraite in Ostbelgien selbst, aber ebenso weit über die Gemeinschaft hinaus aufgebaut hatte. Jedenfalls hatte ich - gerade als Finanzschöffe - zu jener Zeit stets einen ungemein engen Draht zu ihm, konnte ihn jederzeit allerorts kontaktieren. Sein Rat und seine Tat waren schon sehr hilfreich. Zumal die kommunalen Zeiten in Burg-Reuland damals wenig rosig waren. Budgetäre Zwänge diktierten die Haushaltsplanungen. Kompromiss und Kreativität waren oft das Gebot der Stunde. Womit sich Joseph Maraite mitunter schwer tat... Immerhin hatte er in Eupen größtenteils völlig andere  gestalterische  Spielräume.  Wogegen  er in seiner Heimatgemeinde vielfach den Gürtel enger schnallen und den Rotstift ansetzen musste.

Ein Spagat, der das gute und einvernehmliche Miteinander aber nie entscheidend getrübt hat. Im Gegenteil, die Zusammenarbeit war stets unverkrampft und bald sogar freundschaftlich. Auch oder gerade im Wissen, dass die Politik nun mal kein Wunschkonzert ist.

Noch enger zusammengewachsen sind Joseph Maraite und ich im Jahre 2003 - bedingt durch die tragischen Ereignisse im März und August jenen Jahres, als die gesamte Gemeinde durch den Tod von Bürgermeister Peter Stellmann und von Schöffe Johann Gennen getroffen wurde. Nicht weniger erschütternd war wenige Jahre später der Tod von Schöffe Günter Martiny und des früheren Ratsmitgliedes Marcel Paulis. Traurige Ereignisse, die uns zusammengeschweißt haben - selbst wenn ich ab Dezember 2006 nicht mehr dem Kollegium angehörte, sondern danach wieder den Vorsitz im Sozialhilfezentrum übernahm.
Joseph Maraite, im Herbst 2003 zum Bürgermeister ernannt und im Januar 2004 vereidigt, hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen unseres Dienstes, selbst wenn die sozialen Herausforderungen in unserer Gemeinde sicherlich überschaubar waren und sind. Jedenfalls habe ich auch meine letzten sechs von insgesamt vierundzwanzig Jahren als Ratsmitglied gemeinsam mit ihm am Tisch im Rathaus in Thommen rundum geschätzt.

Wie gesagt... Nahezu ein Vierteljahrhundert, das geprägt war vom engen Schulterschluss gerade in schwierigen Zeiten, daneben aber auch von vielen spontanen und kurzweiligen Begegnungen innerhalb wie außerhalb unserer Gemeinde.

Dabei fiel immer wieder ins Auge, wie zwanglos und unverkrampft Joseph Maraite auf andere zugehen kann und instinktiv ein Gespür für ihre Anliegen entwickelt. Ganz gleich ob Opa oder Enkel - er kennt keine Generationenkonflikte.
Auch mit meinen Enkeln sucht und findet er immer sehr schnell einen Gesprächsfaden. Die Kontaktaufnahme dauerte meist nur wenige Minuten. Er kann sich unglaublich schnell in andere Menschen hineindenken. Und zwar völlig unabhängig, ob ihre Fragen oder Bitten ihn unmittelbar betreffen oder ob er sich nun konkret mit den angesprochenen Themen auskennt.

Er schafft es ganz einfach, seinen Mitmenschen das Gefühl zu vermitteln, dass er für sie da ist.
Wobei nicht übersehen werden sollte, dass er in jungen Jahren kaum jemand in „seiner“ Gemeinde kannte.

Bis in die achtziger Jahre hinein waren Joseph Maraite mit Sicherheit mehr Leute in Eupen oder Kelmis bekannt. Weshalb ich mich hier von seiner Seite nicht selten mit der Frage konfrontiert sah, wer dieser oder jener sei...

Im Grunde kein Wunder! Schließlich lag sein berufliches Tätigkeitsfeld - abgesehen von einem kurzen Gastspiel am Paul-Gerardy-Lyzeum - zunächst an Schulen in Verviers, Vielsalm und Spa, später in Kabinetten
in Brüssel sowie an der Klötzerbahn in Eupen. Dabei ist es gerade für einen Kommunalpolitiker wichtig zu wissen, wer mit wem verwandt oder verschwägert ist.

Kenntnisse zur Verwandtschaft garantieren Nähe. Nun jedoch, da er nach vierunddreißig Jahren im Dienste der Gemeinde Burg-Reuland die politischen Koffer packt, darf ich ohne jede Einschränkung sagen, dass Joseph Maraite
in all dieser Zeit engagiert den Weg tiefer Verankerung gesucht und gefunden hat.
Und vor allem die Menschen in den zwei anfangs zerstrittenen Altgemeinden im Laufe all dieser Zeit zusammengeführt und die Gräben zugeschüttet hat.

Er ist zu einem engagierten Lokalmatador geworden, auf den sein Onkel Heinrich Maraite zu Recht stolz gewesen wäre. Zum Hintergrund: Besagter Onkel Heinrich, im Volksmund auch „Schwelles“ genannt, war in den sechziger Jahren als Erster Schöffe unter Bürgermeister Peter Kleis in Reuland politisch tätig. Und dass ich selbst einen Teil dieses Weges mitgehen konnte, macht mich froh und auch ein bisschen stolz. Zudem sind wir bis heute dicke Freunde! Dort Joseph, der „Frühberufene“, hier Nikki, der „Spätberufene“. Auch bin ich quasi „der letzte Mohikaner“ einer politischen Generation, die Gemeindepolitik vor allem noch „mit der Hand gemacht“ haben.

Es war eine schöne Zeit... die ich nicht missen möchte. Vor allem auch weil wir uns bei allen Schwierigkeiten immer  gegenseitig  den  Rücken  frei  gehalten haben.

Nur einmal im Jahr ließ Joseph Maraite uns im Stich... Wenn das erste „Alaaf“ ertönte, setzte er sich mental aus Burg-Reuland ab. Vor jecken Terminen ist er nach Möglichkeit geflüchtet, weshalb er spätestens mittags an Altweiberdonnerstag zur Küste aufbrach. Und erst nach Aschermittwoch wieder im Rathaus auftauchte.

Was bleibt über all diese Jahre hinaus von Joseph Maraite? Einem Menschen, dessen Wesen und Wirken eine ganze politische Generation angesprochen haben?

Es bleibt...

° sein Charme ... zwar mitunter etwas ungelenk, aber immer überaus liebenswert.

° seine Spontaneität ... zwar mitunter selbst für enge Wegbegleiter ein wenig anstrengend, aber immer im Dienste des gemeinsamen Antriebs.

° seine Sprüche - ... zwar mitunter leicht überspitzt, aber immer zur allseitigen Erheiterung und Entkrampfung.

° seine Verlässlichkeit ... zwar mitunter in der breiten Öffentlichkeit verkannt, aber immer ein wertvolles Faustpfand im inneren Kreis.

° seine Jovialität ... zwar mitunter belächelt, aber immer ein wichtiger zwischenmenschlicher Baustein.

° seine Herzlichkeit ... zwar mitunter durchaus leicht verschleiert, aber immer ein für alle Seiten lohnender Ansporn im täglichen Miteinander.

Allesamt Eigenschaften, die ich bei meiner engen Zusammenarbeit mit Joseph Maraite geschätzt habe.

Weshalb ich hier und heute gerne Danke sagen möchte für die gemeinsame Zeit im Dienste unserer Gemeinde und vor allem der Menschen zwischen Grüfflingen und Ouren.

Lieber Joseph! Es hat rundum Spaß gemacht! Und ich weiß bereits jetzt eines: Du wirst uns irgendwie fehlen! Weshalb wir Dir dankbar sind, dass Du unserer Gemeinde - und Deiner Nachfolgerin - zumindest noch eine Zeit lang als Ratsmitglied erhalten bleibst.

Oder wie es der deutsche FDP-Politiker, Minister und EU-Kommissar Martin Bangemann sagte: „ICH GEHE ZWAR, ABER ICH VERSCHWINDE NICHT.“

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!


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