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"Du hast die Autonomie der Deutschsprachigen Gemeinschaft von Anfang an begleitet und mitgestaltet."

Isabelle Weykmans, Vize-Ministerpräsidentin der DG, Ministerin für Kultur, Beschäftigung, Tourismus und Gemeindeaufsicht

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, Liebe Marion,

herzlichen Dank für die Einladung zum Neujahrsempfang, die ich gerne angenommen habe.  Es sei mir erlaubt von dieser Stelle aus der neuen Bürgermeisterin herzlich zu gratulieren. Willy Brandt hat einmal gesagt: “Der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten“.  In diesem Sinne wünsche ich Dir stets eine glückliche Hand beim Gestalten der Zukunft der Gemeinde Burg-Reuland. Und wenn Du in ein paar Jahrzehnten auch mal Abschied vom Bürgermeisteramt nimmst, dann wünsche ich Dir ebenso viele Gäste wie heute hier anwesend sind.  Das ist mit Sicherheit ein untrügliches Zeichen des Dankes und der Popularität des scheidenden Bürgermeisters.

Sehr geehrter Herr Maraite, Lieber Joseph,

„Abschied ist immer die Geburt der Erinnerung“ lautet ein Zitat von Salvador DALI.
Du hast die Politik schon sehr früh zu deinem Beruf gemacht, als Ministerberater in Brüssel, schließlich als Vorsitzender der Exekutive der Deutschsprachigen Gemeinschaft, dann unter der neuen Bezeichnung Ministerpräsident bis zum Jahre 1999 und schließlich als Vize-Präsident und Abgeordneter des Parlamentes, ein Amt, das Du im Jahre 2009 und im Alter von 60 Jahren aufgegeben hast, um Dich ganz Deiner geliebten Heimatgemeinde Burg-Reuland zu widmen.

Zu dem Zeitpunkt warst Du ja schon viele Jahre Schöffe und Bürgermeister und es hat mich stets beeindruckt, dass Du bei vielen Gelegenheiten Deine während ihrer Mandatszeit verstorbenen Mitstreiter, so wie Deinen Vorgänger Peter STELLMANN, aber auch die Schöffen Johann GENNEN und Günther MARTINY, in Erinnerung gerufen hast und auf diese Art ihre Arbeit und ihr Andenken stets in Ehren gehalten hast. Das mögen Kleinigkeiten im Leben eines Politikers sein, aber „eine Kleinigkeit verrät mehr über den Charakter eines Menschen als manche große Tat“, sagte die deutsche Schriftstellerin Friedl Betelrock. Das zeugt auch von Deiner Kollegialität, Deiner Menschlichkeit und Deinem Teamgeist. Du warst kein Bürgermeister von der Stange. Deine mannigfaltigen Erfahrungen auf anderen Ebenen haben Dich geprägt. Ellenlange Diskussionen, in Deinen Augen Palaver, sind Dir ein Gräuel, umfangreiche Aktenberge und der wiehernde Amtsschimmel nicht unbedingt Deine Freunde. Du liebst den kurzen Dienstweg, den ich auch gerne mitgegangen bin.
Dein Humor, Dein Witz und Deine Schlagfertigkeit sind markant, tiefgründig und wohl überlegt. Wenn Du in den Haushaltsdebatten des Parlamentes den Einwurf machtest „Wir haben keine Mittel mehr, darum fahren wir zum Mittelmeer“ waren die Lacher auf Deiner Seite, aber die Aussage wurde verstanden.

Deine Art und Deine Persönlichkeit haben das Amt geprägt. Die lockere Art und die Vertraulichkeit öffneten Dir unzählige Türen.
Während Deiner Regierungszeit konntest Du viele Netzwerke stricken, die Du danach aufrechterhalten und immer wieder neu belebt hast und dies in erster Linie zum Nutzen Deiner Gemeinde. Die Interessen einer Gemeinde werden nicht nur in der Gemeinde wahrgenommen. Das Wohl der Bürgerinnen und Bürger hängt nicht nur von kommunalpolitischen Entscheidungen ab, sondern auch von anderen Ebenen. Daher sind regelmäßige Kontakte zu allen möglichen Behörden und Einrichtungen unumgänglich und warum nicht auch Vertretungen in gemeindeübergreifenden Gremien, die in erster Linie für die Gemeinden da sind beziehungsweise da sein sollten. Deren Funktionieren sollte allerdings transparent sein und kontrolliert werden, wie die jüngste Geschichte zeigt.

Du hast die Autonomie der Deutschsprachigen Gemeinschaft von Anfang an begleitet und mitgestaltet. Auch die hat großen Einfluss auf das tägliche Leben unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in unseren Gemeinden. Durch die Wahrung von Kultur und Sprache konnten wir unsere Identität bewahren. Wenn wir heute über ausgezeichnete Kliniken und Altenheime verfügen, dann liegt das daran, dass in den Siebziger- und vor allem in den Achtzigerjahren die richtigen Entscheidungen über diese Strukturen hier vor Ort getroffen wurden. Ende der Achtzigerjahre übernahm die DG die Unterrichtspolitik, die uns die Möglichkeit gab, eine unserer Kultur und Lebensweise angepasste Ausbildung auf die Beine zu stellen. Die Übertragung der Beschäftigungspolitik oder etwa der Gemeindeaufsicht sind Errungenschaften der jeweiligen Regierungen, wurden hier vor Ort aber immer in enger Zusammenarbeit mit den Gemeindeverantwortlichen gestaltet, die so direkten Einfluss auf die Politikgestaltung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft nehmen können.

Die Fundamente für eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen und Nachbarländern innerhalb der Euregio Maas-Rhein wurden von der Regierung Maraite gelegt und im Jahre 2006 kam die Großregion hinzu. Dies ermöglicht der Gesamt DG, aber auch jeder einzelnen Gemeinde, in den Genuss von EU Fördergeldern zu gelangen.  Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit erleichtert das Zusammenleben über die Landesgrenzen hinweg. In Burg-Reuland bestanden Zusammenarbeitsabkommen mit den Rettungsdiensten der ausländischen Grenzgemeinden die weniger auf internationale Abkommen, als auf eine gesunde Nachbarschaftshilfe fußten. Klugheit und Pragmatismus waren immer Richtschnur in Deinem Handeln.  Einem Grenzbewohner mag diese Zusammenarbeit möglicherweise leichter fallen, aber dennoch wurde sie von Dir gesucht und gefördert in der tiefen Überzeugung, dass die Grenzen verbindend und nicht trennend sein müssen.  Das hast Du mit sehr viel Engagement und Herzblut gemacht, als Ministerpräsident oder als Bürgermeister.

Ein Großteil der Gemeinde Burg-Reuland liegt im schönen Ourtal, neben dem Hohen Venn eine der wohl markantesten Landschaften Ostbelgiens. Als langjähriger Tourismusminister hast Du das Verkehrsamt der Ostkantone mit aus der Taufe gehoben. Eine noch immer zunehmend wichtige Einrichtung, auch für die Gemeinde Burg-Reuland. Und nicht ohne Stolz gelingt es Dir Deine Gemeinde immer wieder in den Fokus internationaler Begegnungen zu setzen. Hohe Persönlichkeiten geben sich hier die Klinke in die Hand, sei es im Kulturhaus in Burg-Reuland oder im Gemeindehaus zu Thommen, die beide Deine Signatur tragen. Vor zehn Jahren ist es Dir gelungen, gleich mehr als die Hälfte der luxemburgischen Regierung zeitgleich im Gemeindehaus zu begrüßen. Die Liste der Persönlichkeiten, die Du am Europadenkmal in Ouren empfangen durftest, ist ellenlang. Dazu bedarf es sehr viel persönlichem Engagement, Mit besonderem Stolz erfüllte es Dich, wenn Du Deinen Gästen, neben der Schönheit der Gemeinde, auch ihre kulturelle Vielfalt vorstellen konntest. Die Ausstellung „Spuren aus Ouren“ erhitzte zwar auch die Gemüter im Gemeinderat, doch der Maler Roger GREISCH, und dessen Schüler Joseph BELLING und Walter VALENTIN, sind neben Theo WIESEN oder Ursula FÖRSTER, um nur diese zu nennen,
Aushängeschilder für die Gemeinde Burg-Reuland und bedeuten Dir persönlich sehr viel. Franz KAFKA meinte: „Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden“.

Lieber Joseph, Du bist zwar aus dem Bürgermeisteramt geschieden, aber bleibst dennoch dem Gemeinderat erhalten. Deine Nachfolgerin, Kolleginnen und Kollegen sollen von Deinem reichen Erfahrungs- und Deinem breiten Wissensschatz profitieren, so ganz nach dem Motto: “Der Alten Rat, der Jungen Tat, macht Krummes grad“.

Ich wünsche Dir viel Gesundheit, mehr Zeit für Dich und dass Du Dich noch lange an den schönen Dingen des Lebens erfreuen kannst.


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